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DENTALE
IMPLANTOLOGIE- INTERVIEW |
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DGI-Preisträger
PD Dr. H.-L. Graf |
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Im
Rahmen der Gemeinschaftstagung des DGI
in
München wurde auch der diesjährige
DGI-Preis verliehen. Die Auszeichnung ging
an Priv.-Doz. Dr. H.-L. Graf von der
Universität Leipzig für seine Studie
"Klinisches Verhalten des
ZL-Duraplant®-Implantatsystems
mit Ticer®-Oberfläche". DENTALE
IMPLANTOLOGIE sprach mit Dr. Graf über
seine Forschungsarbeit.
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Zunächst
herzlichen Glückwunsch zum DGI-Preis, der
sicher eine besondere Auszeichnung
darstellt.
Welche
Bedeutung hat dieser Preis für Sie?
Er
ist die höchste Anerkennung für
wissenschaftliche Arbeit in der deutschen
Implantologie, vor allem sehe ich ihn als
eine Anerkennung für die
Grundlagenforschung, die noch vor der
Wiedervereinigung und unter schlechten
Bedingungen geführt wurde.
Dabei verdient besonders mein Kollege Dr. Knöfler
größte Anerkennung. Er leitete die
Forschungsgruppe bis 1992. |
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Nach welchen
Gesichtspunkten wird dieser Preis verliehen?
Der
wissenschaftliche Beirat der DGI bewertet jährlich
die besten wissenschaftlichen Arbeiten,
wobei nach klinischen und experimentellen
Arbeiten unterschieden wird. In diesem Fall
wurde die beste klinische Arbeit
ausgezeichnet.
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Wie lange haben Sie
an der Studie gearbeitet?
Vor dem
eigentlichen Studienbeginn wurde die Ticer®-Oberfläche
über einen Zeitraum von etwa 5 Jahren
anband von Zellkulturversuchen und
tierexperimentellen Unter- suchungen überhaupt
erst entwickelt.
Dann folgte der Erprobungseinsatz nach dem
Arzneimittelgesetz der DDR auf dem
DDR-lmplantatsystem MLW-Elcer®. Die
vorliegende Studie startete 1990 und lief
bis
1996. |
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Das Angebot an
Implantatformen und -oberflächen ist groß,
und sicher können Sie nicht nur auf
implantatchirurgische Erfahrungen mit dem ZL
Duraplant zurückblicken. Gibt es,
angesichts der bekannten Erfolgsraten bei
der Osseointegration dentaler Implantate von
über 96%, wirklich signifikante
Unterschiede bei der Einheilung zwischen den
einzelnen Systemen?
Nach
unseren Meßwerten ist das Einheilungsrisiko
mit der Ticer®-Beschichtung ge- ringer als
mit einer maschinell bearbeiteten
Reintitan-Oberfläche. An der Ticer®-Ober-
fläche lagert sich entweder mehr Knochen ab
oder der Knochen ist an der Stelle mine-
ralreicher. Dabei kann der größere
Einheilungserfolg an der Schraube liegen
oder an der Erfahrung des Behandlers mit der
Schraube. Das bedeutet, daß ein erfahrener
Behandler mit einer Standardschraube
durchaus hervorragende Ergebnisse erzielen
kann. Wir behaupten nur, daß die Ticer®-Beschichtung
die Einheilung noch erleichtert.
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Dent
Implantol 7,56-59 (2003)
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Gerade die Oberflächen-Diskussion
wurde in den letzten Jahren kontrovers dis-
kutiert. Gibt es Indikationen, bei denen Sie
glatte Oberflächen bevorzugen?
Nein!
Welche
Implantatsysteme setzen Sie neben dem ZL
Duraplant vorwiegend ein
und warum?
Wir
verwenden Frialit-2, das ITI-System Bone fit
und ZL-Duraplant. Wir beschränken uns auf
diese Systeme, weil wir gute Erfahrung damit
gemacht haben und eben nur eine überschaubare
Anzahl von Systemen verwenden möchten. |
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Welche
besonderen Vorteile bietet Ihnen das ZL
Duraplant System und speziell die Ticer®-Oberfläche
im Gegensatz zu anderen Systemen, besonders
im Hinblick auf Osseointegration,
Sofortbelastung und Ästhetik?
Was
die Sofortbelastung anbetrifft, liegt mit
der Ticer®-Schraube die Knochenkontaktrate
zu frühen Zeiten bei 288 %, wenn man die
maschinelle Titanobertläche als 100 % annimmt. Den ästhetischen Gesichtspunkt haben
wir in unserer Studie zunächst mal als
sekundär betrachtet. Dieses Problem wird
zum einen durch die TiOx-Schicht behoben,
die nicht mehr die Farbe des Titans durch
das Weichgewebe schimmern läßt, sondern
goldfarbig ist und zum anderen durch eine
entsprechende Schnittführung. Ich hätte
gerne ein weißes Abutment, aber das System
ist für stark atrophierte Kiefer gedacht
und da ist die Keramikforschung noch nicht
so weit, derartige Dimensionen zu
realisieren. |
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Sie
haben Patienten, bei denen zunächst
augmentative Maßnahmen notwendig waren, von
der Studie ausgeschlossen.
Warum?
Augmentative
Maßnahmen bergen ein Eigenrisiko. Wir
wollten möglichst homogene Gruppen bilden,
mit möglichst wenigen zusätzlichen
Risiken, um die Ergebnisse nicht zu vielen
Einflüssen zu unterwerfen. Oberfläche und
Durchmesser waren die zu unter- suchenden
Variablen, aber möglichst keine weiteren. |
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Die
empirische wissenschaftliche Arbeit
erfordert eine klare Fragestellung, da es
sonst zu Fehlinterpretationen der Ergebnisse
kommen kann. Wie sind Sie in Ihrer Studie
vorgegangen, um diese Fehlerquelle
auszuschließen?
Die
Qualität der empirischen Arbeit liegt in
der Präzision der Fragestellung, der Genau-
igkeit der Primärdatenerhebung, der adäquaten
mathematischen Auswertung und der
vorsichtigen Interpretation. |
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Sie
schließen aus den Ergebnissen der postchirurgischen Überlebenskurven, daß im
Zeitraum der Einheilungs- und anschließenden
Knochenumbauvorgänge sensible Vorgänge der
Wirt-Alloplantat-lnteraktion stattfinden,
und unterscheiden hierbei nach Oberflächen.
Warum schneidet dann aber der Ticer®-Zylinder
bei den postchirurgischen Überlebenskurven
so schlecht ab, obwohl auch er über eine
Ticer®-Oberfläche verfügt? Liegt das nur
an der Form?
Ehrlich
gesagt ist mir das auch nicht ganz klar. Es
könnte an der Preßpassung liegen, die bei
der zylindrischen Form nicht optimal ist. Früher
wurden die Zylinder noch sehr positiv
bewertet, aber heute vermuten viele
Behandler ein von den zylindrischen Im-
plantaten ausgehendes Risiko. |
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Wäre
es nicht interessant gewesen, in diesem
Zusammenhang, den Ticer®-ZyIin- der mit
Standard-Zylindern zu vergleichen?
Sicher
wäre das interessant gewesen, aber ich
musste die Studie natürlich auch irgend- wo
beschränken. Wir wollten eine klare Studie
mit möglichst konkreten Ergebnissen
innerhalb einer mittleren Beobachtungszeit. |
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Konnten
Sie im Zusammenhang mit der Insertion von
Ticer®-Implantaten auch Erkenntnisse zur
Knochendichte im periimplantären Gebiet
gewinnen?
Es
gibt dazu mikroradiologische Untersuchungen,
die allerdings teilweise noch vor der Wende
und mit entsprechend weniger hochwertigen
technischen Geräten geführt wurden.
Deshalb verfügen wir über keine
eindeutigen Ergebnisse dazu, aber offen-
sichtlich wirkt die Ticer®-Oberfläche
stabilisierend auf die Knochenumgebung des
Im- plantates. |
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Dent
Implantol 7,56-59 (2003)
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Die
Ticer®-Schraube verfügt über eine
plaqueresistente TiOx-Schicht im Bereich des
Schleirnhautdurchtritts. Gibt es dazu
Untersuchungen bzw. welche Beobachtungen
wurden hierzu bislang gemacht?
Plaqueresistent
würde ich nicht sagen, aber sie ist weniger
plaqueanziehend. Man hat in den 80er Jahren
in der DDR beobachtet, daß sich an
goldfarbigen TiOx -Oberflächen weniger
Plaque ablagert. Daraufhin wurden Tests mit
verschiedenen Oberflächen durchgeführt,
und es konnte gezeigt werden, daß die
goldfarbene Titanoxid-Schicht über einen
Zeitraum von 2 Jahren deutlich weniger
Plaque adhäriert. Nach Ablauf dieser 2
Jahre bildet sich an der Schicht allerdings
genauso viel Plaque wie an anderen Schichten
auch. |
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Konnten
Sie während Ihrer Erhebungen auch
allergische Reaktionen auf die Ticer®-Oberfläche
feststellen?
Ich
selbst konnte in meiner Forschungsarbeit
keine allergische Reaktion auf die Ticer®-
Oberfläche feststellen. Es ist mir aus der
Literatur ein einziger Fall bekannt, in dem
ein Patient auf Titanchlorid-Ionen
allergisch war. Solche Ionen werden auch aus
der Ticer®-Oberfläche abgegeben. Im
Prinzip kann man aber sagen, daß die
Ticer®-Oberfläche nonallergen ist. |
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Gibt
es bereits eine weitere Studie, an der Sie
arbeiten? Welche Optimierungspotentiale
sehen Sie in der Implantologie?
Die
Ticer®-Schicht ist schon mal eine
Innovation, die übrigens auch sogleich
Nach- ahmer gefunden hat. Sie wurde 1982 in
verschiedenen Versionen patentiert. In der
Technologie liegt noch viel Potential,
sowohl in der Material- als auch in der Oberflächen-Entwicklung.
Zukunftsweisend sind Materialien, die größere
klinische Fehler tolerieren und
Entwicklungen auf anorganischem und
organischem Gebiet. Es gibt noch viele
Fragen, die geklärt werden müssen, z. B.
wie ein implantat im Knochen verankert ist?
Warum kann das Kunstprodukt nach mittleren
Fristen eigentlich mehr Lasten übertragen
als das Naturprodukt, daß immerhin im Laufe
der Evolution perfektioniert wurde? Warum
resorbiert der Knochen nicht? Warum
funktioniert hier das Prinzip der
Osseoklasten nicht? Was passiert nach der
Freilegung mit der weiteren Kristallisation
der Oberfläche bzw. warum muß so ein Implantat
nach Jahren der Funktion bei der Entfernung
herausgefräst werden und kann nicht
einfach herausgedreht werden? Wie kommt
diese Stabilität zustande? Das sind Fragen,
die mich beschäftigen und denen ich gerne
weiter nachgehen möchte. |
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Vielen
Dank für dieses Gespräch, Herr Dr. Graf. |
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